
Zehn Haushalte auf einem Drittel Hektar, seit 1992 fertig und bewohnt. Holzständerbau mit Lehm, der auf dem Baugrundstück selbst gewonnen und verarbeitet wurde, Regenwasser für die Toilettenspülung, ein gemeinsames BHKW, durchweg schadstoffarme Materialien. Bauherr war eine Bauherrengemeinschaft der späteren Bewohner, und die Architekten gehörten ihr an.
- Ort
- Bad Schwartau, Deutschland
- Fertiggestellt
- 1990 – 1992
- Fläche
- 0,3 ha
- Einheiten
- 10
- Bauherr
- Bauherrengemeinschaft der Bewohner
- Rolle
- Projektentwicklung & Entwurf
Die Maßstabsreihe
Dieselben geschlossenen Kreisläufe, drei Größen.
Clever Brise · 1992
Baareneichkoppel · ~1997
Flintenbreite · 1999 –
Bauen mit dem, was der Ort hergibt
Das Gelände fällt nach Nordwesten zu einem kleinen Bachtal ab, und die Häuser folgen ihm: eingeschossig zur Straße, zwei- bis dreigeschossig mit Wintergärten zum Garten, die Dächer auf der Nordseite tief heruntergezogen. Die Form leistet die Energiearbeit — große Verglasung nach Süden, überwiegend Dach nach Norden — noch bevor Technik ins Spiel kommt.
Auch die Konstruktion antwortet auf die Himmelsrichtung: ein Holzskelett mit schwerer, speicherfähiger Lehm- und Ziegelausfachung in den Südfassaden und hochgedämmter Zellulose im Norden. Ein Teil des Lehms wurde auf dem Baugrundstück selbst gewonnen und verarbeitet. Die Materialien waren durchweg PVC-frei und schadstoffarm — Baubiologie, bevor sie eine Marketingkategorie hatte.
Ein Bauherr, der sich selbst gehörte
Es gab keinen Bauträger. Bauherr war eine Bauherrengemeinschaft — ein selbst organisierter Zusammenschluss der künftigen Bewohner —, und beide Architekten gehörten ihr an. Rolf Zeschke bezog eine Einheit, die Familie Fleck eine weitere, und sie wohnten jahrelang mit den Folgen ihrer eigenen Pläne: dasselbe gemeinsame BHKW, dieselbe Regenwasserzisterne, dasselbe Gemeinschaftshaus, dieselben Gärten ohne Zäune zwischen den Nachbarn.
Das ist die Idee, die Flintenbreite später in Gesellschaftsform gießen sollte: Wer die gemeinsamen Systeme nutzt, ist, wer sie besitzt. Bei zehn Haushalten trug das nachbarschaftliche Absprache. Bei einhundertzwanzig brauchte es einen Vertrag.
Der funktionsfähige Prototyp
Regenwasser wurde für die Toilettenspülung genutzt, und ein gemeinsames BHKW lieferte Wärme und Strom — 1992, als Kraft-Wärme-Kopplung in einer Wohnanlage dieser Größe kaum bekannt war. Alle drei Kreisläufe der späteren Arbeit sind bereits hier: Energie, Wasser, Material, in einem Maßstab, in dem sie überschaubar bleiben.
Clever Brise ist damit nicht der Vorläufer der Flintenbreite, sondern deren funktionsfähiger Prototyp. Dieselbe Frage — wie kommt Wasser mehr als einmal zum Einsatz? — wurde erneut mit 24 Einheiten in Stockelsdorf und wieder mit rund 120 in Lübeck beantwortet. Dreißig Jahre später, während die Branche über graue Energie, Rückbaubarkeit und Lehmbau spricht, wirkt die Siedlung zeitgemäßer als im Jahr ihrer Entstehung.
Die Idee
Bis zum Ende der letzten Eiszeit gab es kaum Gruppen über sechzig Menschen. Die ersten Siedlungen erreichten hundert bis hundertfünfzig — eine Größe, die bis ins Mittelalter Bestand hatte und uns das Wort Dorf gab.
Rüdiger Fleck — über den Maßstab der Siedlung
Projektdaten


Im Nachweis
Beteiligte
Projektentwicklung: Rüdiger Fleck. Entwurf: Fleck und Zeschke.
Nächstes Projekt
Flintenbreite